Metal und Behinderung - Part 2

Es sind nun etliche Monate ins Land gezogen und es hat sich eine Menge getan, aber hierzu später. Ich werde immer wieder gefragt an welcher Krankheit ich leide und wie sich diese bemerkbar macht. Hierzu muss ich sagen, dass ich mit meiner psychischer Erkrankung sehr offensive umgehe und gerne versuche anderen Betroffenen zu helfen. Leider ist es in unserer Gesellschaft so, das es ein regelrechtes Tabuthema ist wenn man psychisch erkrankt ist. Es kommen Vorurteile auf wie das man geistig minderbemittelt ist oder ähnliches. Ich kann aber versichern, das ich bis auf einige kleine Handicaps voll auf der Höhe bin ;-).

Für mich ist es immer schwer Konzerte oder Festivals zu besuchen, da mir große Menschenansammlungen Angst machen. Mittlerweile versuche ich es aber immer wieder mal und manchmal klappt es auch sehr gut. Es bedarf aber einer wochenlangen Planung und immer wieder der Abwägung des für und wieder. Für gesunde Menschen stellt dies natürlich kein Problem dar. Für jemanden der an einer Psychose leidet ist es aber schon ein riesen Schritt überhaupt das Haus zu verlassen.

Schwierig ist es auch zu Menschen einen gewissen sozialen Kontakt aufzubauen und diesen auch zu halten. Jemand der schizophren ist, lebt in einer eigenen Welt und ist nur selten in der Lage soziale Bindungen einzugehen mit der Zeit verarmt das ganze etwas. Was immer nett ist, ist sich mit einem Schizophrenen zu unterhalten, da diese zu Gedankensprüngen neigen, sprich in einem Gespräch ist der Erkrankte schon ein Stück weiter als sein Gegenüber, das heißt es kommen nur halbe Sätze zu Stande oder ein Satz wird einfach mittendrin abgebrochen. Ich selber habe diese Erfahrung des Öfteren gemacht und kann dann immer nur auf Verständnis meines Gegenübers hoffen. Ich kann hier nur einen kurzen Einblick geben und ein gesunder Mensch wird wohl des Öfteren einfach nur mit dem Kopf schütteln, aber so ist es nun mal.

Was mir am Meisten zu schaffen macht ist die Tatsache, dass man bei der Suche nach Arbeit als Schwerbehinderter meistens gar nicht berücksichtigt wird. Allerdings muss man hierzu auch sagen, das sich die Situation in den letzten Jahren ein wenig gebessert hat. Ich werde hier mal eine Lanze brechen und einfach mal behaupten, dass ich und andere Schwerbehinderte genauso leistungsfähig sind wie ihre gesunden Kollegen.

Jetzt aber wieder zurück zum Thema Metal. In den letzten Monaten hatte ich einigen Kontakt zu verschiedenen Veranstaltern und habe diese mit meinen Fragen einfach mal so gelöchert. Positiv sind mir hierbei die Veranstalter des Wacken Open Air und des Summer Breeze aufgefallen. Sie kamen mir immer wieder entgegen und haben mir geduldig jede Frage beantwortet. Kleinere Veranstalter konnte ich zumindest dazu bewegen behindertengerechte Toiletten vor zu halten und sich darüber Gedanken zu machen, wie Rollstuhlfahrer ihre Konzerte besuchen können. Auch sollte Erwähnung finden wie sehr mich Bands unterstützen, wenn ich alle nennen sollte, dann würde der Platz hier nicht ausreichen. Jedenfalls wurde mein Projekt genauso aufgenommen, wie zum Beispiel Berichte des RockHard oder Metalhammer´s. Ich erhielt immer wieder die Chance auf Interviews und ich möchte an dieser Stelle einfach mal Danke sagen.

Ein Highlight der letzten Monate waren das Interview im Rock Hard und ein Radiointerview zum Thema Festivals und Behinderung. Dieses Interview wird es in voller Länge auf dieser Seite geben, allerdings erst wenn es gesendet wurde. Auf den Leserreport im Rock Hard gab es verschiedene Reaktionen, sowohl positive als auch einige negative. Aber dies gehört wohl dazu wenn man ein solches Thema anfasst. Ich konnte durch den Report auch einige neue Mitarbeiter für die Seite gewinnen, welche in unregelmäßigen Abständen für new-metal-media tätig sein werden. Mein nächstes Ziel ist es vielleicht auch mal ein Interview im Metalhammer zu bekommen und dort über behinderte Metalfans zu berichten. Denn auch wenn es einigen nicht passt, Behinderte gehören nun mal zu dieser Gesellschaft.

Die letzten Worte gehören diesmal mir, ich bedanke mich bei allen Bands, Veranstaltern, Freunden, Kollegen und allen Anderen, die mich bei meinem Projekt unterstützen. Um etwas zu verbessern muss es zumindest einen geben der das Thema anspricht, aber es muss viele geben die einem zuhören und unterstützen.

 

 

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