Die Enterbten Niemals zu spät Rezension

Die Enterbten – „Niemals zu spät“  (VÖ 18.09.2026)

geschrieben von Marco Capgras

Na, die Band kommt mir doch bekannt vor. Deren Warm-up-EP hatte ich doch gerade erst besprochen, schon liegt der versprochene Longplayer in meinem Briefkasten. So eine Vorab-EP ist ja doch gar nicht schlecht, somit konnte ich direkt schon bei ein paar Songs mit trällern.

Hatte ich in der vorherigen Besprechung von „Bock auf dieses Leben“ noch von „ein bisschen Ideal, eine Portion Hans-A-Plast, dazu eine Prise Punk, NDW und New Wave, gut umrühren und heiß servieren“ gefaselt, kommen wir nun mit „Niemals zu spät“ zum Hauptgang.

Hier klingt alles noch ein bisschen sauberer aufgenommen. Zumindest habe ich das Gefühl, denn um die EP nochmal gegenzuhören, bin ich selbstverständlich zu faul. Man muss sich als Punk ja nicht mehr Arbeit machen als unbedingt notwendig.

Umso erschreckender, dass sich Band und Label hier so viel Mühe mit allem gegeben haben. Eine CD mit den Texten im Booklet, die man theoretisch gar nicht braucht, denn man versteht so ziemlich jeden Text auch ohne Nachlesen. Sogar ein richtig sehenswertes Presse kit mit kompletter Biografie liegt bei. So kann ich nicht arbeiten, sowas bin ich von Punkbands nicht gewohnt. Naja, vielleicht nennen sie sich deshalb ja auch Neonpunks.

Textlich geht es auf dem Album wieder hauptsächlich darum, sein eigenes Ding durchzuziehen und sich nicht reinreden zu lassen. Ja, klingt tatsächlich nach klassischen Deutschrock-Texten, hat musikalisch aber mal so gar keine Ähnlichkeiten. Keine Angst. Zumal das Thema Gleichberechtigung bei gewissen anderen Bands dann doch eher selten besungen wird.

Warum der Longplayer zuerst digital veröffentlicht wird, noch bevor die Vorbesteller ihre CDs bekommen, ist mir nicht ganz klar. Aber vielleicht macht man sowas ja unter Neonpunks.

Beim ersten Hören des Songs „Stark wie ein Shark“ dachte ich mir noch: Was für ein dämlicher Titel. Tja, bis ich ihn dann den ganzen Tag im Ohr hatte.

Irgendwie kriegen dich Die Enterbten, ob du willst oder nicht. Die Melodien gehen ins Ohr und der Gesang von Sängerin Michaela setzt dem Ganzen noch die Krone auf. Wehr dich nicht, es hat eh keinen Zweck.

Vielleicht liegt es aber auch daran, dass man bei jedem einzelnen Song raus hört, dass die Band einfach richtig Spaß an der ganzen Sache zu haben scheint. Quasi Bock auf dieses Leben und Bock auf diese Band.

 Fazit: Das Album ist stark, stark, stark wie ein Shark!

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