In den letzten zehn Jahren hat es in Kanada mächtig gekocht, und vor allem in der Region Calgary sind viele hochkarätige Acts aus diesem pulsierenden Protoplasma des völligen Metal-Wahnsinns hervorgegangen. Während einige kanadische Metal-Bands die Kunst perfektioniert haben, der Welt die oft übersehene kanadische Geschichte und international weniger bekannte Überlieferungen zu präsentieren, haben ILLYRIAN einen ganz anderen Weg eingeschlagen. Nachdem sie mit ihren ersten zweieinhalb selbst veröffentlichten, aber von der Kritik gefeierten Alben, die stark im Death- und Thrash Metal verwurzelt waren und das Songwriting förderten, ziemlich unter dem Radar flogen, ist das wahnsinnig talentierte Power-Quartett nun zurück: kranker, schneller und raffinierter als je zuvor und bereit, ihren besten Stoff einem größeren Publikum zu präsentieren. Kann ein Song verdammt groovig sein und gleichzeitig den Hörer mit dämonischer Geschwindigkeit und Wahnsinnsmelodien in seinen Bann ziehen? HELL FUCKIN‘ YEAH IT CAN:

Link zum Video auf YouTube: https://youtu.be/hJZeD65hnas

“A Lecherous Defalcation” ist gespickt mit der Art von augenzwinkerndem Humor, der heutzutage im Metal ziemlich selten geworden ist, während er mit seinem rasanten Horrorthema, das auf den Videospielhintergrund der Band zurückgeht, aufrichtig in den Arsch tritt.  Der Hörer wird durch das hochoktanige Intro direkt in einen energiegeladenen Strudel gesogen, dessen Dynamik und Spannung sich mit dem Druck eines ultra-knackigen Doublebass-Musters noch steigert, bis Jeff (Perry)’s eindringliche Stimme durch das Shredding schneidet wie die tödliche Manifestation eines Springteufels. Ein Songauftakt dieser besonderen Art, wo man sofort weiß, was auf einen zukommt, mit einem Grinsen im Gesicht darauf wartet, es heiß serviert zu bekommen, aber am Ende doch nicht damit gerechnet hat, dass es so gut schmecken würde. Und es ist alles da, was man so braucht: die Geschwindigkeit, die Breaks, der schwere Headbanger-Halftime-Stomp, die Stimme eines Höllenhundes, die halsbrecherische Schlagzeug-Batterie, die mit der mechanischen Präzision deiner treuen alten Honey Badger konkurriert (für die „Ghost Recon“-Zocker unter uns – alle anderen denken kurz ans klassische Maschinenpistolen-“Brrrrrrrrrrt!”), das Auf und Ab der fast schwarzmetallisch gespielten Gitarrenskalen, die harmonisierten Melodien, die prog-thrashigen, synkopierten Riff-Linien und das gipfelstürmende, flirrende Gitarrensolo.

ILLYRIAN haben für 2024 ein neues Album in der Mache. “A Lecherous Defalcation” wird darauf allerdings nicht zu finden sein. Der Song ist einfach nur ein erster Gruß der Band an das europäische Publikum und ein heißer Beitrag für die nächste Metal-Grillparty – wenn man nicht zu den Leuten gehört, die zum Lachen in den Keller gehen.