Storm Crusher Festival 2016 – O’Schnitt Halle, Wurz

Dieses Mal wird der Bericht, neben der chronologische Abarbeitung des Geschehenen, auch einen Einblick in das norddeutsche Seelenleben des geneigten Schreibers dieser Zeilen ermöglichen.

Das Storm Crusher hatte ich aufgrund der Empfehlung eines Freundes auf der Liste. Diese Festivals machen das Besondere aus, dieses Gefühl der Zusammengehörigkeit aufgrund einer gemeinsamen musikalischen Basis, gepaart mit Freiheits-Esprit beim Übernachten unterm freien Himmel. Es ist alles da was man braucht, auf Verzichtbares wird verzichtet. Festivals auf den Punkt gebracht.

Einzig die Lage macht es für ein Nordlicht wie mich schon zu einer logistischen Herausforderung. Bewährt hat sich die stressfreie Anreise am Vortag/-abend. Aufbauen, grillen, Bier trinken und auf den folgenden Tag freuen. So war es auch diesmal geplant. Leider machte ein kleiner, unscheinbarer Absatz in den FAQs dieses Unterfangen zunichte. Die zuständige Obrigkeit erlaubte ein Betreten des Platzes erst am Festivaltag, 11:00. Dieses soll sich in 2017 ändern wenn der Pre-Day auch auf dem Festivalgelände stattfinden wird. Nach einigen Verwirrungen stand es fest, eine Alternative musste her. Der Pre-Day, fand in Weiden statt, war keine Alternative da wir mit einem VW Bus und zwei Zelten unterwegs waren. So fanden wir einen phantastischen Campingplatz in der Nähe, toll gelegen, mit einer durchaus sehr ansprechenden, sehr günstigen Restauration.

Am anderen Morgen ging es gegen 10:30 los zum Gelände. Die Schlange am Einlass hielt sich in Grenzen und, obwohl jedes Fahrzeug gecheckt wurde, ging es recht flüssig voran. Unsere Strategie war auch klar. Zwei Mann bleiben am Fahrzeug und der Dritte machte sich auf zur Halle. Merch war das Thema. Während wir zu zweit auf das Gelände fuhren kam unser dritter Mann mit leeren Händen zurück. Es gab keine Preise, aber man konnte reservieren. Das schien erst einmal beruhigend. Auf dem Gelände angekommen, stellten wir fest dass wir unser Camp sprengen mussten. Mein VW Bus blieb auf dem Parkplatz und die Mitstreiter mussten ihr Zelt in einem abgesperrten Bereich aufbauen in dem sich auch die Toiletten befanden. Blöd, da wir ja die Basis am Bus hatten und dadurch einen weiteren Weg zu den Toiletten hatten. Hier hätte ich mir ein paar mehr Dixies auf dem Parkplatz gewünscht.

Nachdem alles an Ort und Stelle war ging es rein in die Halle. Rechts und links vom Eingang hatten sich zwei Plattendealer meines Vertrauens platziert. Strategisch clever – war man doch immer geneigt etwas mitzunehmen. Also Bier gegriffen und auf zum Merch. Hier herrschte Hektik und düstere Stimmung. Die reservierten Sachen waren nicht auffindbar und die sehr begehrten Backpatches von Atlantean Kodex auf einmal einem anderen Bestimmungszweck zugeführt. Unmut überall. Später sollte sich herausstellen dass es beim Merch Verkauf von RAM auch Komplikationen gab. Hier sollte unbedingt nachgebessert werden.

Verpflegung ist das zweitwichtigste Element auf einem Festival. Das Bier war mit meinen norddeutschen Geschmacksnerven nicht kompatibel, gerade auch ohne Schaum eingeschenkt und auf Umgebungstemperatur gebracht in einem Becher der dem Genuss auch nicht zuträglich war. Schade. Für das leibliche Wohl sorgten drei Stände, allesamt gut besucht. Das Schupfnudeln keine Nudeln sind, wurde mir mit bajuwarischer Stoigkeit nahe gebracht, nämlich mit dem Ignorieren meiner Person. Sei’s drum, ich habe Gulasch genommen. Als sehr gute Alternative stellte sich dann die anderen beiden Genussstände (Flammkuchen, Vegetarische Gerichte) heraus.

Musikalisch gab es dann aber mal gar nichts auszusetzen. Das Billing konnte sich sehen lassen. Einwandfrei! Meine Highlights waren zweifelsohne Atlantean Kodex, RAM, Exumer und Manilla Road.

Die Running Order sah wie folgt aus:

Freitag
Doors 12:00
Horns of Domination
Ambush
Division Speed
Pripjat
Seventy Seven
Exumer
Atlantean Kodex
Manilla Road
Iron Thor

Samstag
Doors 12:00
Lord Vigo
Masters Of Disguise
Deadheads
Darkness
Root
Stormwarrior
Iron Angel
RAM
Diamond Head
Asphyx

Somit war für zwei Tage erstklassige Unterhaltung angesagt.

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Pripjat

Den Anfang machten Horns Of Domination. Sicherlich kein Opener der die Massen vom Campground in die Halle zieht. Für Black/Death Metal war es noch zu hell. Als zweite Band legte Ambush nach. Die Schweden zeigten eine gekonnte Liveperformance und waren gut eingespielt. Klassischer Heavy Metal am Nachmittag geht immer. Die ersten Köpfe im Publikum fingen an zu nicken und die ersten Mähnen kreisten. Von Division Speed besitze ich das selbstbetitelte Tape. Wer mit Songtiteln wie „Panzerkommando“ oder „Truppensturm“ keinen Klemmer hat, bekommt eingängigen Thrash-, Speedmetal serviert. Die Thrashvorlage nahmen Pripjat, aus Köln, auf. Sie knüppelten was das Zeug hielt und die mittlerweile recht gut gefüllte Halle honorierte dieses mit gen Decke gestreckten Fäusten. Mit Seventy Seven kam ein kleiner Bruch. Von Hochgeschwindigkeit auf bluesorientiertes Midtempo. Die Spanier schienen auch leider nicht ihren besten Tag erwischt zu haben.

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Exumer

Exumer starteten mit „The Raging Tides“ und endeten mit „Possessed By Fire“. Dazwischen jede Menge Gelegenheiten den Circle Pit kreisen zu lassen. Danach wurde es ruhiger. „Along acient leylines, down to the seas…“ Hunderte Sangeskehlen begleiteten den Opener von Atlantean Kodex. Diese spielten das einzige Konzert in 2016. Von mangelnder Bühnenperformance war nichts zu bemerken Sie lieferten einen unvergesslichen Auftritt ab. Das Publikum dankte es und machte „Twelve Stars And An Azure Gown“ zu einem Erlebnis. Endlich gab es auch eine fertige Version von „Kodex Battalions“ zu hören, einem Stück welches eigentlich für die „White Goddess“ vorgesehen war. Als besonderes Schmankerl verschenkte die Band eine spezielle Vinylversion von „The Golden Bough“ am Merchstand.

Atlantean Kodex
Atlantean Kodex

Weiter ging es mit Manilla Road. Ich hatte die Band schon vier Mal in 2016 gesehen und sie spielten jedes Mal auf hohem Niveau. So auch hier. Eine gute Mischung aus alten und neueren Songs wurde präsentiert. Sänger Bryan Patrick war bestens bei Stimme, die Gesamtperformance war groß. Zum Schluß zauberte noch das Dreierpaket, bestehend aus „Necropolis“, „Crystal Logic“ und „Heavy Metal To The World“ jeden Anwesenden ein Lächeln ins Gesicht.

Manilla Road
Manilla Road

Iron Thor musste leider ohne mich ran, da der Ruf meiner Matratze, nach diesem doch ertragreichen Tag, doch sehr laut war.

Der folgende Tag begann mit Lord Vigo. Keine einfache Aufgabe, das Volk wieder vor die Bühne zu holen. Behelmt (Sänger Vinz Clortho trug einen mit Eisenspitzen versehenen Helm) und mit einer gehörigen Portion Heavy Metal gelang dieses jedoch nur bedingt. Masters Of Disguise (mit neuem Schlagwerker) konnten mich auch nicht so richtig überzeugen. Trotzdem ist es immer ein Spaß die Speedmetaller live zu sehen. Leider konnte ich Deadheads und Darkness nicht sehen, da ich anderweitige Termine wahrnehmen musste. Pünktlich zurück zu Root, den tschechischen Schwarzmetallern, musste ich feststellen dass diese Musikrichtung, gepaart mit einer guten Liveperformance, doch einen hohen Unterhaltungswert hat. Was soll auch schiefgehen wenn man einen Big Boss als Sänger hat.

Root
Root

Stormwarrior läuten den Abend ein. Die Hamburger bedienen uns mit klassischen Heavy Metal. Zeit, sich zurückzulehnen und ein Bierchen zu gönnen. Denn danach sollten Iron Angel mal so richtig das Gaspedal durchtreten. Den Mannen um Sänger und Gründungsmitglied Dirk Schröder ist der Spaß ins Gesicht geschrieben. Die Band lebt, na klar, immer noch vom Erstling „Hellish Crossfire“ der ja in keiner ernstzunehmenden Sammlung fehlen darf. Ein Gruß vom „Schmier“ wurde ordnungsgemäß ausgerichtet bevor es mit „Sinner 666“ wieder in die Vollen ging.

Iron Angel
Iron Angel

Die Beschreibung des Heavy Metals in drei Buchstaben? RAM! Keine mir bekannte Band im klassischen Heavy Metal schafft es, mir schon beim ersten Riff eine Gänsepelle wachsen zu lassen. Nach einer kurzen Verzögerung wegen technischer Probleme ertönte das Intro „Terminus“ und als dann zu „The Omega Device“ die ersten Gitarren erklangen, gab es kein Halten mehr. Wie ich schon im Review zum „Hell Over Hammaburg“ schrieb.

RAM
RAM

Die wahren Defenders Of The Faith. Achso, und danke für „Under The Scythe“ und „Suomussalmi“. Wie schon eingangs erwähnt konnte RAM wegen eines Missverständnisses leider keine Merchartikel anbieten.

Diamond Head sind ja seit einiger Zeit umtriebig und liefern immer Qualität ab. Leider hatte sich die Halle etwas geleert, aber als das mächtige Drumintro zu „Am I Evil“ ertönte waren sie alle wieder da. „My Mother was A Witch, She Was Burned Alive…“

Diamond Head
Diamond Head

Asphyx hatten die Aufgabe alles zu planieren, dem Erdboden gleichzumachen. Wer nicht für sie ist, ist gegen sie. Die ganz oben auf dem Death Metal Thron sitzenden Holländer holten den letzten Funken Power aus den in der Halle Verbliebenen und kündigten den „Incomming Death“ an.

Asphyx
Asphyx

Fazit: Die Bandauswahl war hervorragend. Auch wenn man das Festival nur wegen zwei oder drei Bands besucht hatte, Langeweile oder Trostlosigkeit kam zu keiner Zeit auf. Die eingangs erwähnten Unwäglichkeiten werden bestimmt nächstes Jahr ausgeräumt sein. Anreise am Vortag, gemeinschaftliches Campen (Fahrzeug und Zelt) möglich, eine zweite Biersorte und stabile Becher.

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Ich freue mich auf nächstes Jahr. Dann findet das Storm Crusher Festival vom 15.9.-17.9.2017 wieder in der Wurzer O’Schnitt Halle statt. Folgende Bands sind schon bestätigt und werden dieses Festival wieder zu einem Highlight im Kalender machen: Exciter (CAN), High Spirits (USA), Oliver/Dawson Saxon (UK), Iron Curtain (ESP), Vulture (GER), Fatal Embrace (GER).

Links zum Veranstalter: http://www.storm-crusher.de/

Links zum Festival: https://www.facebook.com/StormCrusherFestival/?fref=ts,

Text: Hans-Jürgen Schmidt
Fotos: Sandra Heim

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