NMM: Hallo Gerre, schön das du dir wieder einmal für uns Zeit nimmst. In diesem Jahr hat sich eine Menge bei euch getan, deshalb denke ich es ist mal wieder an der Zeit für ein Interview.

NMM: Am Anfang des Jahres habt ihr das Label gewechselt, so seid ihr von AFM zu  Nuclear Blast gekommen. Gab es hierfür bestimmte Gründe oder war es einfach an der Zeit für etwas Neues?

Gerre: Der Vertrag mit AFM war ausgelaufen und wir hatten mehrere Optionen für einen neuen Deal. Der A&R von Nuclear Blast namens Andy Siry ist ein großer Tankard-Fan seit den Achtzigern, wir haben uns dann mit ihm getroffen und sein Konzept hat 100% überzeugt. Ich denke mit den Möglichkeiten, die diese große Firma hat, geht noch Einiges in Sachen Promo, so dass ich denke, dass das für Tankard wirklich noch mal einen Schritt nach vorne bedeuten könnte!  Wir sind auf jeden Fall froh, dort unterschrieben zu haben, die Jungs geben richtig Gas und tun ihr bestes! Ich glaube jetzt schon sagen zu können, dass uns nichts besseres hätte passieren können!

NMM: Das zweite große Ereignis in diesem Jahr ist zweifelsohne das 30 jährige Bestehen von Tankard. Habt ihr dies bereits gebührend gefeiert?

Gerre: Ach, wir feiern das ganze Jahr hahahaha....Wir spielen auf vielen Festivals wie dem Bang your head, Party San, Summerbreeze, Headbangers Open Air, spielen europaweit viele Einzelgigs und wollen jede Show zu einer Geburtstagsfeier umfunktionieren. Ein Highlight wird sicher unser Gig im Oktober in unserer Heimatstadt Frankfurt sein, anschließend wird in unserer hiesigen Metalkneipe Speak Easy noch der eine oder andere Umtrunk genommen und mit dem einen oder anderen Wegbegleiter der letzten 30 Jahre angestoßen!

NMM: 30 Jahre Tankard heißt, das du mittlerweile einen sehr guten Überblick über die Musikszene der letzten Jahrzehnte gewinnen konntest, was hat sich im Bereich Metal verändert? Gibt es Dinge, die sich verbessert haben, gibt es Dinge die sich verschlechtert haben?

Gerre: Natürlich ist das Internet ein enorm wichtiger Faktor geworden, du bist mit der ganzen Welt gut vernetzt und erreichst sehr viele Leute. Ich kann mich noch genau erinnern, wie ich Mitte der Achtziger mal einen Fanbrief an den Exciter-Fanclub in Kanada geschrieben habe und mich 4 Wochen später wie ein kleines Kind über die Antwort gefreut habe, heutzutage würde ein Mausklick langen!  Auf der anderen Seite finde ich schade, dass gerade kleinere Bands durch das illegale Downloading extrem geschwächt werden, ich persönlich fände es sehr schade, wenn es irgendwann keine physikalischen Tonträger mehr geben würde, da ich selbst ein großer Sammler bin! Insgesamt kann man aber sagen, dass die Metalszene in Deutschland nach wie vor sehr groß und super organisiert ist und es ist ein geiles Gefühl, nach 30 Jahren immer noch ein fester  Bestandteil davon zu sein! 

NMM: Worin siehst du den Erfolg von Bands wie Tankard, Sodom und Kreator, diese sind schon sehr lange im Geschäft, viele andere Bands erreichen nicht einmal die ersten 5 Jahre?

Gerre: gut, da muss man auch ehrlich sagen, dass es junge Bands heutzutage wesentlich schwerer haben, einen Deal zu bekommen und dann sich ein gewisses Standing zu erarbeiten! Mit einem Demo wie „Alcoholic Metal“ würdest du heute keinen Hund mehr hinter dem Ofen hervorholen. Ansonsten kann ich ja da in erster Linie nur für Tankard sprechen: Wir hatten und haben immer noch einen riesigen Spaß, Thrash zu spielen. Da wir alle unsere regulären Jobs haben, sind wir da auch total unabhängig, können machen, was wir wollen und müssen nicht von der Musik leben! Der Hauptgrund, warum es uns noch gibt, ist aber auf jeden Fall die Liebe zur Musik!

NMM: Wenn du noch einmal zurückblickst was ist das skurrilste was euch jemals bei einem Auftritt passiert ist?

Gerre: Irgendwann in den Achtzigern ist in Belgien mal die Bühne eingekracht und wir mussten uns immer um ein nicht kleines Loch herumbewegen. Zum Glück ist da keiner reingefallen, das war schon sehr bizzar hahahahaha

NMM: Kommen wir jetzt von der Vergangenheit in die Gegenwart, am 27.07.2012 erscheint euer neues Album „A Girl Called Cerveza“ würdest du uns ein wenig  darüber erzählen?

Gerre: Der Albumtitel stammt von unserem Basser Frank, der das mal auf unserer ersten Südamerikatour 2007 vor sich hergebabbelt hat, unser Manager Buffo konnte sich noch dran erinnern und so war der Albumtitel geboren! Wer genau hinguckt, wird erkennen, dass das hübsche Mädchen auf dem Albumcover die Zwillingsschwester vom King of beer ist, der ja später auch auf B-day, Thirst und der DVD open all night reloaded die Cover zierte! Mitte Juli wird auf Youtube der Videoclip zum Titeltrack veröffentlicht und der limitierten Auflage ist eine DVD beigelegt, der den Clip, eine Bootlegaufnahme von unserer zweiten Show auf der 70.000 tons of metal – Kreuzfahrt und ein äußerst seriöses Interview beinhaltet!

NMM: Wie gestalteten sich die Arbeiten an diesem Album?

Gerre: Wir haben wieder mit Michael Mainx zusammengearbeitet, der auch schon für den Sound von „Vollume 14“ verantwortlich war. Diesmal hatten wir aber die Möglichkeit, im Hightech-Studio 23 hier in Frankfurt aufzunehmen, das hat unser in Sachen Organisation einiges erleichtert. Der Sound ist zwar nach wie vor sehr transparent, aber die Gitarren knallen wesentlich besser, also wir sind mit dem Ergebnis hochzufrieden, so muss Tankard anno 2012 klingen. Insbesondere wurde wieder viel an den Vocals gearbeitet, es war zwar anstrengend, hat sich meiner Meinung aber echt gelohnt! Im Vorfeld der Platte hatten wir wie immer immensen Zeitdruck, da wir mal wieder zu spät mit dem Songwriting angefangen haben. Aber ich glaube Tankard braucht diesen Druck, um gute Songs schreiben zu können. Sie Songs stammen fast ausschließlich von unserem Gitarristen und ich bin für die Melodylines der Vocals zuständig!

NMM: Ihr spielt ja in diesem Jahr noch einiges an Konzerten, besonders interessant für mich natürlich der Auftritt auf dem Headbangers Open Air, aber auch eure anderen Fans werden viele Möglichkeiten finden ein Konzert zu besuchen. Was spielt ihr lieber einen großen Auftritt oder lieber ein kleines familiäres Konzert, oder kann man da keine Unterschiede machen?

Gerre: Live spielen ist immer geil, ob großes Festival oder kleiner Club. Ich persönlich bevorzuge die Freiluftsaison, da spielen wir ja schon meistens nachmittags und kann so früher mit dem Feiern beginnen hahahaha......

NMM: Wie immer stelle ich auch Fragen zu gehandicapten Fans, hat sich bei euch etwas verändert seit unserem letzten Interview, sprich nimmst du Fans jetzt anders wahr bei Konzerten?

Gerre: Leider finden immer noch viel zu wenige gehandicapte Fans den Weg zu unseren Konzerten, das liegt wahrscheinlich auch and den oft engen kleinen Clubs, in denen wir spielen, die einfach die baulichen Gegebenheiten dafür haben. Ich persönlich würde mich freuen, wenn sich das in Zukunft etwas ändern könnte! Ansonsten nehmen wir diese Fans schon sehr wahr und freuen uns über jeden, der bei uns Chaoten aufkreuzt!

NMM: Gerade hat die GEMA ihr Pläne für eine Gebührenerhöhung vorgestellt, meiner Ansicht nach, würden viele kleine Festivals und Konzertveranstalter dies nicht überleben, was denkst du, ist es gerechtfertigt, wenn jemand seine Position ausnützt, auch wenn er die Rechte von Musikern vertritt?

Gerre: Ich bin zwar Mitglied bei der Gema, aber habe mich schon so oft über diesen Verein geärgert, der letztendlich ja hauptsächlich die Interessen der großen Künstler a la Grönemeyer und Co. vertritt. Diese Pläne der Gema gilt es unbedingt zu verhindern, einer entsprechenden Initiative würde ich mich gerne anschließen!

NMM: Was immer wichtiger für eine Band wird, sind soziale Netzwerke wie Facebook, Twitter und Co. Seit ihr auf einigen Netzwerken vertreten bzw. wie haltet ihr den Kontakt zu euren Fans?

Gerre: Wir haben jetzt endlich auch eine offizielle Facebook-Seite, das ist momentan das Medium schlechthin und fast schon wichtiger, als eine Homepage, wirklich unabdingbar für eine Band. Da ich persönlich kaum noch hinter meinen Mails herkomme, habe ich entschlossen, erst mal nix mit Facebook zu machen, was aber auch, dass ich da irgendwann nicht mehr drum herum komme!

NMM: Ich stelle auch noch mal die Frage, wird Tankard eine Band wie die Rolling Stones werden? Also werdet ihr noch jenseits der 60 auf der Bühne stehen und euer Publikum rocken?

Gerre: Ich persönlich kann mir ein Leben ohne Tankard nicht vorstellen, deshalb stoße ich jetzt schon mal auf die nächsten 30 Jahre an und wenn ich mit einem Rollator auf die Bühne gefahren muss, hahahaha.....

 NMM: Ich danke dir für dieses Interview und wie immer gehören die letzten Worte dir. In Metal we are united.

Gerre: Wir danken allen Fans für den riesigen Support in den letzten 30 Jahren, ohne sie wäre die Band nichts und wir hoffen, mit allen dieses Jahr auf unseren Shows auf unseren Geburtstag anstoßen zu können!

 

New-Metal-Media - In Metal we are United (c) 2009 - 2015