NMM: Hallo Jutta, schön das du dir die Zeit für diese Interview nimmst, welches nicht so wie alle anderen Interviews sein wird. Denn ich möchte dich meinen Lesern nicht nur als Künstlerin, sondern auch als Menschen vorstellen.

Jutta: Hi Ron, ich habe immer Zeit für Dich, vor allen Dingen wenn es um mein Lieblingsthema geht und das ist nun mal die MUSIK

NMM: Bei einer Künstlerin deiner Güte, sprechen wir nicht vom Alter. Sagen wir es so du bist über die Jahre wie guter Wein gereift. Anfang der 70ér Jahre hast du angefangen in Musicals zu singen hier auf jeden Fall zu nennen ist Hair und Jesus Christ Superstar, die eine ganze Generation geprägt haben. Wenn du einmal auf diese Zeit zurück blickst, wie hat dich diese Musik und der Spirit von damals geprägt und was hast du über die Jahre retten, bzw. mitnehmen können?

Jutta: Ich habe kein Problem mit meinem Alter. Du weißt doch, im Rock 'n Roll stirbt man entweder ganz jung oder gar nicht. Die Musik, das Singen, die Bühne, das Publikum ist immer noch meine einzige Leidenschaft  bis ich irgendwann mal beim hohen C platze....smile...Ja, bin sozusagen ein Rockpionier der ersten Stunden. Ich hatte schon in den 60ger Jahren eine Schülerband. Für mich war diese Zeit mit dieser Musik meine Kulturrevolution. Die einzige, die es je in Deutschland gab, geben wird. Es war die „Bewusstseinserweiterung“ die mich nicht mehr verlassen hat. Einmal Hippie immer Hippie....smile....Rockmusik hat ganz bestimmte Roots und die sind bei mir fest verankert. Ich kann diese Musik nicht nur als Kommerz und Konsum empfinden und werde es nicht müde diese Botschaft an das Publikum weiterzugeben, singe einen Ton und der Ton hat ein Wort und das ist die Message....nehme Musik ernst und sehe es nicht nur als Party, zum Zeitvertreib, als Unterhaltung. Natürlich heißt  Rock 'n Roll auch Spass haben, aber nicht ausschließlich.

NMM: Mitte der 70ér Jahre hast du dann deine ersten Alben veröffentlicht und auch mit vielen damaligen Größen im Rock zu tun gehabt. Wie waren die Gegebenheiten für Künstler / Musiker und wie kamst du zu deinem ersten Plattenvertrag?

Jutta: Das war spannend, 1974 nach Hair, Jesus Christ Superstar, Ausflug in die deutsche Pop-Musik in Ilja Richters Disco, dann Amon Düül II in München Im Herbst 1974  ging es ab nach Hamburg und da war der Bär los. Clubs, Clubs, Clubs überall wurde live musiziert und es war großartig. Habe auch gleich eine Bluesband gefunden und wir haben uns in überfüllten Clubs die Seele aus dem Leib gesungen..... sozusagen. Damals kam immer Udo Lindenberg  und spielte unsere Zugaben an den Drums. Udo ist ja Schlagzeuger und hat immer viel Spaß bei diesen kleinen Sessions gehabt. Ich bin dann mit Udo 76 , 77 und 78 auf Tournee gewesen und das war Party bis der Arzt kam. Super. Großartig. Sex and Drugs and Rock 'n roll. Ich bekam 1976 meinen ersten Plattenvertrag bei der Teldec und gründete die Jutta Weinhold Band. Das Panikorchester mit Karl Allaut hat die erste Platte  „Comming“ eingespielt.

NMM: Viele Leser werden dich aus deiner Zeit mit der Band Zed Yago kennen, wo ihr zusammen Ende der 80ér Jahre zwei Alben veröffentlicht habt. Die Konzeptalben handeln von den Geschichten der Tochter des fliegenden Holländers. Wie kommt man auf eine solche Idee und ist die Fantasie hier eine wichtige Größe? Geht dir diese Fantasie in der heutigen Rockmusik ein wenig verloren?

Jutta: 1983 ging ich in mich und wollte ein bisschen raus aus dem Einheitsbrei dem Rock 'n Roll - Fließband. Hatte aufgehört mit Alkohol, Drogen und Nikotin und widmete mich der Literatur. Lernte durch H. Heine die Geschichte vom Fliegenden Holländer kennen. Die Musik kannte ich schon von Richard Wagner. Mein Vater war Wagner Fan und so kam mir die Idee, eine Figur zu erfinden: meine Zed Yago. Ich machte sie zur Tochter des Fliegenden Holländers und mein Concept war geboren. Der Hardrock/Metal war die einzige Musikform, die solche Themen aus der Literatur und der Klassik verträgt und so wurde mein -Dramatic Metal- Stil geboren. Fantasie ist immer wichtig Ron, denn ohne stirbt die Seele und ohne Seele stirbt der Mensch, mein Thema der Zed Yago und Velvet Viper Musik.

NMM: Nach dem Aus von Zed Yago, hast du sofort ein neues Projekt am Start gehabt und zwar Velvet Viper. Bist du als Künstlerin jemand, der ständig kreativ sein muss oder gönnst du dir auch Pausen und ruhige Phasen?

Jutta: Mein Baby Zed Yago hat nicht lange gelebt. 1990 kam der Chrash. Wir hatten eine GBR und ich kein privates Copyright für meine Erfindung und so habe ich das Recht verloren den Namen Zed Yago weiterhin zu benutzen. Damals bin ich fast gestorben und habe ein ganzes Jahr lang nur geschrieben.....das Buch war meine Therapie und hat mich vor dem Absturz mit Drogen oder Alkohol bewahrt und gerettet. Kreativität ist ein Zauberwort. Ich bin sehr kreativ und schreibe viele Texte, habe viele Ideen und brüte immer was aus.....smile.....

NMM: Ich möchte an dieser Stelle einige Zeit überspringen und würde mit dir gerne über die heutige Jutta sprechen. Was viele vielleicht nicht wissen, du bist nicht nur im Rock aktiv sondern auch im Gospel, Blues und als Schriftstellerin. Du gibst zum Beispiel Gesangsunterricht und siehst deine Schülerinnen als gleichwertig an, ist es wichtig wenn man jemanden etwas beibringen will, dass man keine Starallüren hat?

Jutta: Starallüren sind überflüssig wie ein Kropf....solche Gene habe ich nicht. Ich empfinde ähnliches  wie Demut, dass ich immer noch alles singen kann was ich singen will und dass es immer noch Leute gibt die das gerne hören. Ein Privileg ohnegleichen. Seit 1994 leite ich in der Musikschule Hanstedt meinen Gospel-Rock-Chor und in diesem Rahmen gebe ich auch Gesangsunterricht. Ein Chor für kleine und große Talente und ich liebe alle meine Frauen und Männer, Boys and Girls, die dabei sind und mit mir jeden Dienstag das zelebrieren was das Schönste ist. Kreativ sein und Singen.....eigene Töne erzeugen und aufhören Musik nur zu konsumieren. Wenn ich arrogant wäre, dann hätte sich der Chor nicht  so lange gehalten und auch jetzt ist kein Ende abzusehen. Ich zelebriere das alles sehr unkonventionell und wir lernen mit Spaß. Unsere Auftritt sind immer schön und wir schaffen es, dass die Sonne in den Gesichtern des Publikums aufgeht....Singen macht glücklich und hält jung. Ich schwöre es. -smile-

NMM: Du hast dich lange Zeit hingebungsvoll um deine Mutter gekümmert und diese gepflegt. Ich denke das dieses keine einfache Zeit war und jedem Angehörigen der sich um einen Verwandten kümmert gebührt Respekt. Wie hast du diese Zeit verarbeitet und wie hat sie dich geprägt, was nimmt man mit für sein Leben?

Jutta: Ja, meine Mama war die Beste Mama auf der Welt und als sie meine Hilfe brauchte, war ich natürlich da und habe sie bis 2007 gepflegt. Mama hatte Arthrose, Demenz ...nun ja, die letzten 3 Jahre das ganze Programm rund um die Uhr. Ich habe in der Zeit weniger live gespielt und mich  zurück genommen in Sachen Musik. Das habe ich gerne für meine Mutter getan. Sie hat sich mir gewidmet und es ist selbstverständlich, dass ich das zurückgebe. Ich hätte sie NIE in ein Heim gebracht und die Zeit, die ich ihr gegeben habe, habe ich nie bereut. Meine Mutter konnte schön singen und die letzten Jahre, in denen sie fast gar nichts mehr konnte ist etwas Erstaunliches passiert: das Singen hat immer geklappt. Sie hat die Texte behalten und die Harmonien. Wir haben die alten Volkslieder geschmettert und es war berührend. In diesen Momenten hat meine Mutter auch gestrahlt und war glücklich. Ich werde das nie vergessen, was Musik und Gesang bewirken kann.

NMM: Wenn man dich als Schriftstellerin betrachtet, dann kommt man an deinem Erstlingswerk Die Tochter des Fliegenden Holländers: Auf der Suche nach der verlorenen PhantaSIE nicht vorbei. Erzähle meinen Lesern bitte worum es geht und ob tief in dir vielleicht noch ein weiteres Buch schlummert, welches irgendwann das Licht der Welt erblicken soll.

Jutta: Ich habe eine Anfrage für eine Biografie. Aber, da bin ich noch am Überlegen. Im Moment bin ich ausschließlich mit meinen musikalischen Projekten beschäftigt. Ich bin ewig auf der Suche nach Gigs.....und das liegt mir im Moment ganz dicht am Herzen. Wir wollen spielen, spielen, spielen. Weil es das Schönste ist.

NMM: Wer schreibt oder Musik macht, der hat auch Vorbilder, welche sind es bei dir sowohl musikalisch, als auch literarisch?

Jutta: Eigentlich bin ich Sängerin und keine Schriftstellerin. Und mein Buch Die Tochter des Fliegenden......ist nur ein etwas längerer Brief an Freunde oder Leute, die meine Musik und meine Interpretation mögen.....Ich habe in beiden Fällen keine Vorbilder. Es gibt Musik, Dichter, Schriftsteller, Literaten, die ich sehr mag, aber Vorbilder sind es nicht. Bin eine richtige Leseratte und liebe das Lesen und das Denken. Ich möchte ja nicht etwas machen, was andere schon gemacht haben. Sicher ist man inspiriert und beeinflusst in Sachen Rockmusik -normal- denn es war/ist mein Leben.

NMM: Wenn man dich live erlebt, dann bist du heute genauso kraftvoll und energiegeladen wie vor 20 Jahren, gibt es ein Geheimnis?

Jutta: Leidenschaft und absolute Hingabe zu dem was man macht und natürlich gute Gene, danke Mama und Papa, gesunden Lebenswandel, kein Nikotin, kein Alkohol, keine Drogen. Sehr viel grünen Tee und jeden Tag Nordic Walking - 7 Km in einer Stunde.

NMM: In einem Schlager heißt es „Du kannst nicht immer 17 sein“ ich habe aber das Gefühl, das Jutta Weinhold noch lange lange Zeit keine Lust auf eine Art Ruhestand hat. Wie denkst du werden sich deine Projekte noch entwickeln und wird es vielleicht noch einmal ein neues Album geben?

Jutta: Ja, das liegt mir sehr am Herzen, ich habe habe auch ein super Konzept dafür und viele gute Texte plus Melodien....aber....und jetzt kommt die Realität, es macht keinen Sinn eine Platte herzustellen ohne ein potentes Label, dann hast Du Dir viel Arbeit gemacht und die CDs liegen fest im Karton. Aber eigentlich beschäftigt mich das Thema einer neuen CD doch sehr....Kann es einfach nicht lassen. Allerdings ist es wirklich schwierig mit der Business-Seite.  Ich habe 2005 und 2006  und 2011 drei CD's produziert , aber ohne den kompetenten Support eines Labels und einer Booking Agentur ist es ein Kampf gegen Windmühlen. Trotzdem; mal sehen was alles noch passiert Ron. Rebels die hard, wenn überhaupt.

NMM: Ich bedanke mich dafür, dass Du Dir die Zeit für dieses Interview genommen hast und natürlich gehören die letzten Wort ganz allein Dir.

Jutta: Ich bedanke mich für Dein Interesse Ron und möchte Deine Leser auffordern in die Clubs zu gehen, sich Live-Bands mit eigener Musik anzuschauen nur so erhält man die Bühnen, die Veranstalter, die Musiker und letzten Endes diese geile Musik. Mein größter Wunsch wäre es, dass die kreative Musik den Stellenwert in unserer Gesellschaft bekommt, den sie wirklich verdient.
Rock 'n Roll is bigger than all of us CAUSE THIS SONG IS NEVER ENDING.

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