Festivalbericht

Wacken Open Air 2013

 

Wer ist denn hier noch True? oder warum sich in Wacken eigentlich nichts verändert

Es rauscht gewaltig im Blätterwald und aus ehemaligen Befürwortern, werden nun die lautesten Kritiker. In diesem Jahr ist alles anders nach dem Wacken Open Air 2013 so werden keine Loblieder mehr gesungen auf das Norddeutsche Festival, sondern es hagelt Kritik von allen Seiten. Aber woher kommt mir das nur bekannt vor, ach ja von unserem Bericht vom Wacken Open Air 2012, als New-Metal-Media bereits über die Zustände für Rollstuhlfahrer berichtete und darüber das diese, das Gelände im Schlammchaos nicht bewältigen konnten. Was sich seit dem geändert hat? Sagen wir mal so, die Kritikpunkte die wir im letzten Jahr äußerten wurden fast komplett übergangen. Aber Beginnen wir am Ende des letzen Wacken Open Air´s 2012. Nachdem sich die Beschwerden über die örtlichen Gegebenheiten bei uns häuften und diese sich mit unseren Beobachtungen deckten, schrieb ich den Veranstalter an und bat um Veränderungen ob diese umgesetzt wurden? Das war einer der Punkte, die auf unserer Liste standen.

Am Mittwoch betreten wir zum ersten Mal den Platz, nachdem wir zwei Kontrollpunkte passieren mussten, naja nicht so schlimm, denn Sicherheit geht bekanntlich vor. Der erste Weg führt direkt zur Rollstuhltribüne, welche fast an der selben Stelle wie im Vorjahr steht. Erster Pluspunkt in diesem Jahr ist, dass diese groß und deutlich gekennzeichnet ist. Zudem steht eine Rollstuhlgeeignete Toilette direkt daneben. Soweit ist noch alles ganz gut, als wir die Tribüne betreten um die Geländerhöhe zu prüfen müssen wir schnell feststellen, dass nichts verändert wurde. Das Geländer befindet sich beim Blick auf die Bühne immer noch genau auf Augenhöhe. Ein erstes Kopfschütteln setzt ein, denn man hätte diese Geländer oder Gitter gerne versetzen können ohne das eine größere Unfallgefahr bestünde. Zudem ist die Sicht auf die Bühne immer noch recht bescheiden, da man kaum erkennt wer spielt. Da wir für den Mittwoch nichts größeres geplant haben, geht es erst einmal über das Gelände um zu sehen, wo sich was befindet. Wieder mit dabei ist das Wackingerdorf, welches ein wenig umgestaltet wurde. Zudem ist das Thrashfield verschwunden und die Zugänge zum großem Zelt wurden geschlossen, sodass man immer durch die Security Schleusen muss. Das Gelände ist ein wenig matschig aber nicht so unpassierbar wie im Jahr davor. Um unsere Runde zu beenden begeben wir uns in den Pressebereich, doch dort bleiben wir nicht lange, da wir auf einen Bekannten treffen, der uns von zwei Rollstuhlfahrern berichtet, die einige Probleme mit dem Gelände hätten. Also auf zum Zeltplatz, hier ist der Boden wirklich sehr weich und matschig und mit dem Rollstuhl nur schwer zu befahren. Als wir am Camp der beiden ankommen und uns einige Zeit mit dem Vater der beiden unterhalten haben, wird schnell klar, wo die Probleme liegen, die Sicherheitskräfte lassen die Rollstuhlfahrer nicht durch und schicken sie über die weichen Wiesen, was zum einen sehr kraftraubend für die Begleitperson ist, da diese den Rollstuhl schiebt zum anderen auch noch unnötig lange dauert. Ich verspreche mich darum zu kümmern und mache mich auf den Weg zum ersten Kontrollposten um die Sache zu klären. Dieser versucht mir klar zu machen, das Rollstuhlfahrer die befestigten Wege nicht nutzen dürfen und wer ich überhaupt sei, das mich das was angeht. Da es aber in allen Jahren so war, dass das Wacken Open Air Rollstuhlfahrern die kürzesten und besten Wege zum Gelände einräumt und ich dieses auch so begründe, bekomme ich nur den Verweis ich müsste mich an den Chef der Security´s wenden. Also weiter geht´s! Die Zentrale liegt nur unweit vom Campingground und eigentlich müsste hier schnell eine Lösung gefunden werden, aber man soll den Tag nicht vor dem Abend loben und so fühlt sich niemand so wirklich verantwortlich. Erst als ich mich als Presse zu erkennen gebe kommt Bewegung in die Sache und auf einmal geht alles ganz schnell, die beiden Rollstuhlfahrer bekommen natürlich die Erlaubnis, die Wege nutzen zu können. Das wäre natürlich so Standart und auch der Ton wird ein wenig freundlicher. Warum denn nicht gleich so? Ich frage mich bis jetzt immer noch warum die Sicherheitskräfte nicht vorher richtig eingewiesen werden. Die gute Nachricht kann ich dann im Camp überbringen. Hier erfahren wir dann, dass die beiden in Holsten-Niendorf in einem behindertengerechten Ferienwohnhaus untergebracht sind und sie hier eigentlich nur Freunde treffen. Nach diesen Erlebnissen geht der Tag für New-Metal-Media langsam zur Neige und wir begeben uns auf den Heimweg.

Donnerstag ist es morgens schon wirklich heiß, das Quecksilber zeigt im Schatten schon 30 Grad und in der Sonne sind es locker über 40 Grad. Da hilft nur eins, viel trinken. Und so nutzen wir auf dem Gelände sofort den ersten Getränkestand, doch uns fällt sofort auf, dass die Becher kleiner geworden sind und es statt 0,4 Liter nur noch 0,3 gibt. Der Preis bewegt sich bei 3 Euro was für Wasser schon ziemlich happig ist. Naja, dann nehmen wir halt eigene Flaschen mit Wasser mit, so die Planung für den nächsten Tag. Das daraus nichts werden soll, wissen wir zu dem Zeitpunkt noch nicht. Der erste Weg auf dem Gelände führt zur Rollstuhlbühne und wer hier sitzt, der muss wirklich hart wie Stahl sein, kein Schirm, keine Abdeckung spendet auch nur annähernd Schatten, sodass man direkt auf der Tribüne in der prallen Sonne sitzt und langsam gegrillt wird. Auch hier kann man nun sagen, dann muss man die Tribüne eben nicht nutzen, doch Schatten ist auf dem gesamten Gelände Mangelware. Der nächste Weg führt uns zu den Sanitätern, welche reichlich vor Ort sind. Für Auskünfte gibt es eine eigene Pressestelle, wo nur von leichten Fällen gesprochen wird, zumeist im Zusammenhang mit Alkohol. Auf dem Weg in den Pressebereich, wird uns der Zugang verwert, da der kürzeste Weg jetzt nur noch für Händler wäre, also ab über das Gelände. Wer sich auf dem diesjährigen Wacken Open Air im Innenbereich präsentiert dürfte eigentlich klar sein, so sind bekannte Energie-Drinks, Tabakhersteller und eine große Rummarke vertreten. Zwischen den Besuchern laufen noch einige Bierwiesel umher, trotzdem ist das Infield nicht ganz so überlaufen wie in den letzten Jahren. Viele Besucher verteilen sich auf dem Gelände oder bleiben gleich auf dem Campingground. Was sich nicht geändert hat, ist die Anzahl an Feierwütigen mit lustigen Hüten, Kostümen oder anderem Schnick-Schnack, fast kommt es einem so vor, als wären es sogar noch mehr geworden. es ist schon komisch wie sich gerade diese Publikum von einem zum anderen Festival verlagert und wie sie die Armbändchen wie Trophäen sammeln. Aber bevor ich an dieser Stelle noch ein Diskussion los trete.... Der Weg führt uns nur kurz in den Pressebereich und dann wieder ins Wackingervillage, wo wir einige Bands auf der kleinen Bühne ansehen.

Freitag ist es fast noch heißer als am Donnerstag, der erste Weg führt wieder fast direkt zur Rollitribüne. Oben hat jemand einen privaten Sonnenschirm aufgestellt, was ein wenig Schatten bringt. Eigentlich sollen wir auf dem Weg zum Interview sein, aber wir schauen kurz im Wacken Arts Zelt vorbei, hier werden die Bilder von Jens Rusch ausgestellt und von Chris Boltendahl, nach einigen kurzen Runden durch das Zelt, geht es in den Pressebereich, denn für den heutigen Tag sind eigentlich nur Interviews angesagt und so treffen wir erst Kastus Rabensang, der sich sehr viel Zeit für ein ausführliches Interview nimmt. Zum Verschnaufen bleibt nicht so viel Zeit, da wir schon zum nächsten Interview mit NulldB verabredet sind. Dieses ist echt der Knaller und macht Super viel Spaß. Doch wie heißt es so schön wer rastet der rostet und so geht es mit großen Schritten wieder auf den Platz, von den Bands auf dem Infield bekommen wir immer nur im Vorbeigehen etwas mit. Wir machen uns auf den Weg in den Wacken Circus, wo die Nachwuchsbands spielen. In dem großen Zelt das man nur durch zwei erneute Kontrollen erreicht, ist es heiß und stickig, dafür ist der Sound der Bands recht gut. Leider müssen wir unseren Freitag früher beenden als angedacht. Auf dem Rückweg fällt aber auf das nun auf der Tribüne einiges mehr an Sonnenschirmen steht, sollte der Veranstalter hier echt von selber etwas unternommen haben?

Der Samstag beginnt mit einem Interview, welches wir am Vortag nicht erledigen konnten, Black Messiah hatten aber vollstes Verständnis und nahmen sich noch einmal die Zeit für uns. Es entwickelte sich ein recht angenehmes Gespräch, welches auch sehr ins persönliche ging. Es ist den ganzen Tag über schon sehr schwül und ein Unwetter hängt in der Luft. Für diesen Tag haben wir uns nicht viel vorgenommen und so geht es noch einmal zur Wacken Foundation und kurz über den Metal Markt. Am späten Nachmittag beenden wir für uns das Wacken Open Air 2013, gerade rechtzeitig bevor der regen einsetzt.

Fazit: Das Wacken Open Air 2013 hat sich zu einem Festival entwickelt, das ein Publikum anzieht, welches man auch von anderen größeren Festivals kennt. Die Bedingungen für Rollstuhlfahrer haben sich nicht verbessert, lediglich die Tribühne wurde besser gekennzeichnet. Zum Bedauern müssen wir dies feststellen, da wir im letzten Jahr schon einen ausführlichen bericht an den Veranstalter gegeben haben und auch sinnvolle Verbesserungsvorschläge gemacht haben. Da aber angeblich alle anwesenden Rollstuhlfahrer zufrieden waren, ist nichts umgesetzt worden, dies beruht wohl auf einem Verein, der mit dem Festival zu tun hat. Auch in diesem Jahr haben wir dem Veranstalter und der Pressestelle wieder die Verbesserungsmöglichkeiten aufgezeigt, trotzdem wurde von Seiten des Vereins nur positiv berichtet. In vielen Gesprächen haben wir dann von Betroffenen erfahren, dass es auf eine Art Vorzeigeeffekt ankommt. Doch ich will mal nicht immer meckern, vielleicht überraschen die Macher des Festivals uns ja ganz gewaltig. Zu wünschen wäre, dass das Ordnungspersonal besser geschult wäre, was die Örtlichkeiten angeht und zudem etwas mehr Wert auf Freundlichkeit legt. Die Handläufe an der Tribüne liegen immer noch im Sichtfeld eines Rollstuhlfahrers und sollten etwas abgesenkt werden, zudem wäre eine Überdachung schön gewesen, die sowohl vor Sonne als auch vor Regen schützt. Zudem kann man von der Rampe nicht besonders gut sehen, da sie immer noch sehr weit von der Bühne entfernt ist, die Aussichtsplattform eines bekannten Rum-Herstellers war näher gelegen, schon sehr sonderbar und auch die Kameras stehen wesentlich näher dran. Natürlich können Rollstuhlfahrer auch näher auf das Infield fahren und von dort aus die Bands sehen, es hat alles sein für und wieder. Was nun die Oldschool Metal Verfechter angeht, Wacken ist ein Festival welches über die Jahre gewachsen ist und eine Menge Personal beschäftigt, auch außerhalb der Saison. Somit sind die Macher auch für einen gewissen wirtschaftlichen Erfolg verantwortlich und das heißt wem das Publikum nicht passt oder die Bands die dort spielen, der muss das Festival nicht besuchen, wem die Preise dort zu teuer sind, der muss ja nichts auf dem Platz kaufen, denn in der Ortschaft gibt es genügend Alternativen. Und wer dann noch nicht glücklich ist kann ja auch ein ganz anderes Festival besuchen, welches ihm mehr liegt.

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